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Fortschritte in der Krebstherapie - Nachbericht der Pressekonferenz


Fortschritte in der Krebstherapie - Nachbericht der Pressekonferenz

Die letzten Jahren revolutionieren die Tumorbehandlung regelrecht. Neue Therapien ermöglichen bessere Behandlungsergebnisse bei gleichzeitig zunehmender  Verträglichkeit. Besondere Fortschritte wurden in der Behandlung von schwarzem Hautkrebs, Lungenkrebs sowie Tumoren des Urogenitaltraktes erzielt. 


"Insgesamt werden in Oberösterreich laut Statistik Austria jährlich knapp 6.000 Krebserkrankungen neu diagnostiziert", berichtet Dr. Georg Palmisano, Landessanitätsdirektor Oberösterreich. Dank neuer, teils bahnbrechender Entwicklungen können die Betroffenen von Tumorbehandlungen profitieren, die häufiger als früher eine Verlängerung des Überlebens oder sogar eine Heilung ermöglichen – und dies bei deutlich weniger Nebenwirkungen.

Neue Waffen gegen schwarzen Hautkrebs

Frühzeitig erkannter schwarzer Hautkrebs (Malignes Melanom) kann durch ein relativ einfaches chirurgisches Vorgehen in bis zu 90 Prozent geheilt werden. Für Patienten mit fortgeschrittenen Krankheitsstadien standen bis 2012 nur Chemotherapeutika mit geringer Effizienz zur Verfügung. In den letzten Jahren wurden sogenannte Immuntherapeutika zugelassen. "Dabei handelt es sich um spezielle Antikörper, sogenannte Checkpointinhibitoren, welche in der Lage sind, Deaktivierungsmechanismen von Tumorzellen zu blockieren, um so die Immunantwort deutlich zu verbessern", erklärt OA Dr. Helmut Kehrer, Abteilung für Dermatologie am Ordensklinikum Linz Elisabethinen.
Kinaseinhibitoren sind Teil einer zielgerichteten, personalisierten Medizin, welche individuelle Gegebenheiten des Patienten berücksichtigen. Beim Melanom handelt es sich dabei um spontan auftretende Mutationen, die zu einer Entkopplung von kontrolliertem Zellwachstum und Kontrollmechanismen innerhalb der Zelle führen. Bei knapp 50 Prozent der Melanompatienten kommt es zum Auftreten einer Mutation des BRAF‐Moleküls. Andere Substanzen können dieses Molekül hemmen, das in weiterer Folge zum Zelluntergang führt.
2016 fand auch die onkolytische Therapie Eingang in die Dermatoonkolgie – mit einem gentechnisch veränderten, abgeschwächten Herpes‐Virus, das sich nur in Melanomzellen vermehrt und zu deren Zerstörung führt. Dabei werden Substanzen freigesetzt, die eine weitere Aktivierung des Immunsystems bewirken. "All diese Behandlungsmethoden haben zu einem deutlich höheren Ansprechen mit einem deutlich verlängerten Überleben geführt", resümiert OA Dr. Kehrer. "Es gibt dabei Stimmen, die erstmalig in der Geschichte der Melanomtherapie von möglicher Heilung sprechen."


Neue Errungenschaften gegen Lungenkrebs

Lange Zeit war das Lungenkarzinom sehr schwer behandelbar. Vor wenigen Jahren wurde jedoch durch die Entwicklungen der Präzisionsmedizin eine neue Ära eingeleitet und das bisherige Standardarmentarium – Operation, Chemo- und Strahlentherapie – um neue wirksame Optionen erweitert. Zunächst machten sogenannte zielgerichtete, personalisierte Therapien eine deutliche Verbesserung der Heilungschancen möglich. "Als jüngste Errungenschaft stehen nun die ersten Immuntherapeutika zur Verfügung", erläutert Prim. Priv.-Doz. Dr. Bernd Lamprecht, Vorstand der Klinik für Lungenheilkunde des Kepler Universitätsklinikums. Damit werden erstmals nicht Tumorzellen bekämpft, sondern das körpereigene Immunsystem wieder in die Lage versetzt, Tumorzellen zu erkennen und auszuschalten. "Die potenziellen Erfolge sind vielversprechend", so Prim. Lamprecht.


Neuigkeiten bei Tumoren des Urogenitaltraktes

Auch in der Therapie fortgeschrittener Nierenzell- und Blasenkarzinome haben – nach einer langen Ära des therapeutischen Stillstands – bahnbrechende Entwicklungen im Bereich der Immuntherapie völlig neue Herangehensweisen eröffnet. "Damit ist es bei einem Teil der Patienten möglich, das Überleben signifikant zu verlängern. Die im Vergleich zu Chemotherapie deutlich bessere Verträglichkeit ist dafür verantwortlich, dass auch die Lebensqualität der Betroffenen wesentlich besser ist", berichtet Prim. Dr. Wolfgang Loidl, Leiter der Abteilung für Urologie am Ordensklinikum Linz Barmherzige Schwestern.

Patientenselektion

Eine große Herausforderung besteht in der Onkologie derzeit v.a. darin, aus der Fülle bereits vorhandener Therapieoptionen jene zu wählen, auf welche der Patient jeweils am besten anspricht. Daher wird intensiv an neuen Biomarkern geforscht, mit denen sich das individuelle Ansprechen möglichst zuverlässig voraussagen lässt. Denn auch wenn die Innovationen vielfach zu bisher unerreichbaren Ergebnissen bezüglich Überleben und Ansprechdauer führen, ist zu bedenken, dass dennoch ein großer Anteil aller Patienten nicht davon profitiert. 

Strahlentherapie bleibt wichtig

Ungeachtet der enormen medizinischen Fortschritte der letzten Jahre behält die Strahlentherapie in der Behandlung solider Tumoren einen zentralen Stellenwert. "Sie ist neben der Chirurgie jene Methode, mit der eine Tumorheilung tatsächlich realisierbar ist. Dies gelingt mit anderen Therapieformen deutlich seltener", erklärt Prim. Univ.‐Prof. Dr. Hans Geinitz, Leiter der Abteilung für Radio‐Onkologie am Ordensklinikum Linz Barmherzige Schwestern.
Die Strahlentherapie kann ebenso von enormen Fortschritten berichten. Beispielsweise kann mit der volumenmodulierten Strahlentherapie (VMAT) der Hochdosisstrahlentherapiebereich noch besser als früher an das zu bestrahlende Gewebe angepasst werden. Durch die sogenannte intensitätsmodulierte Strahlentherapie (IMRT) sowie durch die bildgeführte Strahlentherapie (IGRT) wurde es möglich, die Präzision zu verbessern und die Sicherheitsräume zu verkleinern. Ein weiterer Fortschritt liegt in dem Trend zu kürzeren Bestrahlungsschemata, speziell bei Brust‐ und Prostatakrebs. Ein wesentlicher Vorteil dieser Entwicklungen besteht in der deutlichen Verbesserung der Verträglichkeit bei gleich guter oder sogar besserer Wirkung.


Kostenloser Krebsinfoabend 18. Oktober in Linz

Ein zentral wichtiger Aspekt für KrebspatientInnen ist eine möglichst gute Aufklärung über ihre Erkrankung und über bestehende Behandlungsmöglichkeiten. Aus diesem Grunde lädt der Dachverband onkologisch tätiger Fachgesellschaften Österreichs (DONKO) zum kostenlosen Krebsinfoabend am Mittwoch, 18. Oktober 2017, 18- ca. 20.30 Uhr, in den Festsaal des Ordensklinikums der Barmherzigen Schwestern Linz, Seilerstätte 4, 4020 Linz. Dabei bieten nicht nur medizinische ExpertInnen Wissenswertes aus erster Hand, auch Mitglieder der Selbsthilfegruppen und die Österreichische Krebshilfe Oberösterreich stehen vor Ort für persönliche Fragen zur Verfügung.

Weitere Infos: http://donko.or.at
 

 

Links:

Pressemappe als PDF-Download

 

Presseinformation Oktober 2017



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